Dreimal Drama

So. Was mag Tarzan jetzt Entsetzliches passiert sein, wird sich mancher fragen. Über die Macht von reißerischen Überschriften, oder auch „Eyecatchern“, hatte ich mich irgendwann mal hier ausgelassen. Was also ist jetzt wieder los?

Vorweg sei gesagt: Es gibt viel schlimmere Sachen, mit denen nicht wenige Menschen konfrontiert sind. Und es liegt mir fern, diese Probleme und Schicksale zu „marginalisieren“. Aber hier geht’s ja um Tarzan, der manchmal unterwegs ist. Oder auch nicht. Und eigentlich, ja, geht’s mir ja noch gold.

So nehmt diesen Beitrag als Auswuchs eines zart genervten Tages, an dem mich gleich drei Dinge aus meiner behüteten Welt reißen. Wenn schon sonst nix passiert. Und, mal ehrlich: Es gibt (auch wenn ich sie nicht kenne) langweiligere Blogs, oder? Auch wenn dieser bald seinem Ende zugeht. Dazu aber später mehr. Wenn es an der Zeit ist.

So gar nicht an der Zeit ist das Schrillen des Telefons um 8.30 Uhr. Die Zahnarztpraxis. Die sind immer da, zuverlässig, vor Ort, lassen mich bei meinen Terminen kaum je länger als 10 Minuten warten. Ein Traum. Genau: Von so was können Patienten anderer Praxen nur träumen.

Natürlich wissen sie nicht, dass ich faule Sau meist erst gegen Mittag zum ca. 10 Meter entfernten Homeoffice krieche, so gesehen ist der Anruf um 8.30 Uhr ein brutaler Affront, das erste Drama.

Eine Fachkraft ist krank geworden, die „Professionelle Zahnreinigung/Prophylaxe“ muss ausfallen, ob ich trotzdem kommen möchte, zur Routinekontrolle? Termin sei nach wie vor für mich „geblockt“. Ja, ich will. Hätte man mir auch vor Ort sagen können. Aber so sind sie eben. Service. Lieb.

Da meine Zähne nun von jeglichem Schleifkram, Gel und sonstigem verschont bleiben, gönne ich mir eine scharfe Curry-Boulette bei „Eckert“ in der Wilmersdorfer Straße (richtig, die Currywurst vom Amtsgericht, Insider wissen Bescheid). Und meiner Begleiterin Frau S., die ich kurz darauf im legendären Lokal „Hoeck“ treffe, muss ich die zweite Furchtbarkeit des Tages mitteilen:

Elon Musk, Erbauer der Giga-Tesla-Fabrik kurz hinter der Stadtmauer, äh, -grenze, will uns nicht haben. Für seinen morgigen „Tag der offenen Tür“ resp. vielleicht sogar Oktoberfest, wurden wir beide nicht „priorisiert“.

Tesla-Chef Elon Musk ist auf dem heutigen „Spiegel“-Titel zu sehen. Mich und meine Begleiterin wollte er dagegen nicht sehen. Aber auch ohne uns war was los: Guckssu hier, is’n Link

Wie tragisch. Eigentlich hatte man mir avisiert, am eigenen Körper die Beschleunigung des Tesla Model Y zu erleben. Auf welche Art auch immer. Hat nicht sollen sein. Frau S. trägt es mit Fassung, und ich kann die sagenhafte Beschleunigung meines 2-Liter-Benziners ja immer noch auf der Frankfurter Allee ausprobieren. Auch wenn die Polizei das vielleicht nicht gern sieht. Und die grüne Nicht-Verkehrssenatorin Regine Günther schon gar nicht.

Gut, dass die geifernde Autohasserin nicht Regierende Bürgermeisterin wird. Ex-Verkehrsminister Dobrindt merkte kürzlich an, dass Grün-Wähler auch gleich ihren Autoschlüssel in die Wahlurne werfen könnten. Immerhin ökologischer als ins Klo.

Auch das nette Angebot meines Energieversorgers überzeugt mich nicht so recht. Zwar ist ein reines Elektro-Auto für 69 Euro/mtl. ein gutes Angebot, auch die zugehörige Ladestation („Wallbox“) an der Hauswand zu montieren, ist eine hübsche Idee. Aber macht da der Vermieter mit? Und wie erreiche ich die „Wallbox“ an der Hauswand?

Frau S. rät mir, mein Mietshaus zu kaufen, dann könnte ich als Eigentümer mit meinem E-Mobil immer in der Einfahrt neben der „Wallbox“ stehen. Klar, absolut naheliegender Gedanke. Aber Frau S. hat keine Ahnung: Unabhängig vom Eigentümer sind nämlich in meinem „Kiez“ alle, und zwar alle, Auffahrten grundsätzlich zugeparkt.

Okay, das kann Frau S. nicht wissen. Sie wohnt in einem Bezirk etwas außerhalb, wo asoziales und behinderndes Parken weder üblich noch nötig ist. Ob das nun an der Verkehrsinfrastruktur oder der Bevölkerungsstruktur liegt, werde ich mir hier nicht anmaßen zu kommentieren.

Geniale Überleitung also zur „Mobilitätswende“, die auch so ihre Tücken hat. Ich brauche ja nur „E-Roller“ sagen. Oder besser auch nicht, war ja selbst mal mit einem unterwegs.

Das Leserforum des „Tagesspiegel“, über das ich mich auch schon hier mokierte, bietet immer wunderbaren Input. Sobald der „Tagesspiegel“ über was auch immer berichtet, melden sich die „Foristen“ zu Wort, zanken wie die Kesselflicker, verlangen „Belege, Belege“ für irgendwelche Beiträge, verbeißen sich schließlich in DIN-Normen für Schraubengrößen, die mit dem eigentlichen Ereignis überhaupt nichts mehr zu tun haben. Höchst ergötzlich da mitzulesen, um nicht zu sagen „loriotesk“.

Und wehe, einer der „Foristen“ schreibt, dass er unschön findet, dass seine Familie niedergemetzelt, sein Auto angezündet und er in der U-Bahn verprügelt wird: Unweigerlich wird er von einem „Troll“ zur Antwort kriegen „Zieh doch aufs Land!“

Es ist die Standard-Antwort für jeden, der asoziales Verhalten in Berlin bemängelt. Eine Variante des den Deutschen wohl verinnerlichten Spruchs aus Adenauer-Zeiten: „Geh doch nach drüben!“

Sonnenklar, dass ich als notorischer Querulant in genau diese Falle tappe.

Ich poste auf Twitter ein Foto von einem selten dämlich abgestellten E-Moped, verbunden mit einem Kommentar zur Hirnmasse des Nutzers. Jemand antwortet, freundliches Geplänkel, bis derjenige dann doch schreibt: „Vielleicht solltest Du besser nicht in der Stadt wohnen.“ Ein verklausuliertes „Geh doch nach drüben“ also, auch wenn die Mauer weg ist.

Nicht gerade zielführend. Was wird aus Berlin, wenn alle Normalen wegziehen? Die Stadt den Bekloppten überlassen? Kann nicht Sinn der Sache sein.

Das schreibe ich ihm aber nicht. Nur, dass sein Spruch abgenutzt, sinnfrei und am Thema vorbei ist. Mehr nicht.

BUMMM!

Aua, Mami, der hat mir wehgetan … Hahaha. Suuper! Zuugaabee!

Nach wenigen Minuten (so lange brauchte er wohl, um aus seinem Entsetzen zu erwachen) bin ich blockiert. Ich kann nie wieder etwas von ihm lesen oder ihm antworten. Schade eigentlich. Seine bisherigen Twitter-Beiträge waren ganz angenehm zu lesen. Aber okay. Ein getretener Hund jault im Social-Media-Zeitalter nicht mehr, er blockiert. Was man nicht hören oder lesen will, blendet man aus. Das ist die berühmte „Filterblase“.

Tragisch für mich, dass ich nun einen „Follower“ verlor. Eigentlich brauche ich ja jeden, um eines Tages so berühmt wie Kim Kardashian zu werden. Nur, dass ich ab einer Million Follower nicht meinen Hintern zeige, sondern gelegentlich huldvoll „Nivea Men“ erwähnen würde. Das bringt dann Geld.

Hat nicht sollen sein. Mal sehen, was ich im Söderland Bayern erlebe. Ich fahre, wie erwähnt, größtenteils elektrisch dahin. Verkehrssenatorin Günther wird’s freuen. Und auch nach diesen drei Dramen werde ich das Voralpenland genießen. So maulig ich auch teils bin, ich sollte nicht vergessen: Mir geht’s ja noch gold.

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4 Gedanken zu “Dreimal Drama

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