Tarzan, unbeweglich und un-unterwegs

So was Dummes.

Ich bin mit (hier bitte Diagnose bzw. medizinischen Fachausdruck eintragen), jedenfalls am Knie, schwer gehandicapt.

Auch der berühmte Blogger Seppo machte gelegentlich Laufen, Hanteltraining und gewisse Gebrechen zum Thema, also darf ich das auch. Von Seppo hört man gar nichts mehr, seit er nach Münster gezogen ist, wird mal wieder Zeit. Hallo?

Nun also gehandicapt. Schuld ist natürlich göttliche Fügung bzw. Vorsehung, getreu dem Motto „Mein ist die Rache“. Wir erinnern uns: Kurz nachdem ich hier im Blog über Damen lästerte, die ihre Handys fallenlassen, prallte ich mit meinem im Harz gegen einen Baum.
Das sieht natürlich ungleich eleganter aus und ist auch mal was anderes, aber das Ergebnis blieb gleich: Display kaputt.

Nun also holt mich der widerlich gehässige, polemische Blog über die E-Scooter-Plage („Von Rollen und Sollen“) ein. „Hähä“, sehe ich euch schon die Hände reiben, „Tarzan hat’s verdient, jemand hat ihn mit so einem Ding über den Haufen gefahren.“

So war es denn aber nicht. Abgesehen davon, dass wohl keiner dieser Rollerfahrer jemals einen deutschsprachigen Blog lesen wird, gab es auch keine Anfeindungen oder Beschwerden über den Beitrag. Im Gegenteil denken landauf, landab alle das Gleiche über die neuartige Seuche, was sich hervorragend in einer ganz frischen Karikatur der „Welt kompakt“ von gestern, 22. August, niederschlägt:

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Ja, die Roller sind schuld an meinem Handicap, aber auf eine andere, peinlich-profane Weise. Der Grund ist also profaner Natur und daher dem nach Höherem strebenden Tarzan peinlich.

Peinlich auch, dass hier das Thema ja eigentlich „Draußen“, Unterwegs“, also der Kampf des Menschen mit der Natur, den Elementen und Abenteuer sind. Wie fesselt man als plötzlicher Invalide nun den verwöhnten Leser? Ja, genau:
Der Hass-Blog über die E-Roller sollte erstellt werden. Und zwar ohne Akku-Tod in meiner Bier- und Schreibstube irgendwo in Berlin. Höchst abenteuerlich (JAA, da ist es!) kroch ich also unter den Schreibtisch, um das Netzteil zu ergattern. Ausnahmsweise mal mitnehmen, Handystrom wird dort ja auch geschnorrt. Und bei eben diesen Verrenkungen passierte es.

Zwar ohne ein Knacken, igitt, das hätte mich sehr beunruhigt. Aber so eine kleine Verstauchung oder Verrenkung geht auch wieder. Ich humpelte zur Bier- und Schreibstube, und sie ging auch wieder. Schlagartig. Zack. Alles war weg, als hätte nie was wehgetan. Irgendwas hatte sich während des kreativen Herumrutschens auf dem Hocker der Bier- und Schreibstube (natürlich mit Lehne) wieder eingerenkt. Ein tolles Gefühl, nach knapp vier Stunden Gehandicapt-Sein.

Bis vorgestern. Schwungvoll stürme ich aus dem Druckerraum, rutsche elegant an meinen Arbeitsplatz, da wartet noch eine Datei auf Bearbeitung. Und da wieder.

Aua!

Dasselbe Knie. Nun, die Auswahl ist 50:50, ich hätte durchaus ein weiteres zur Wahl anbieten können, aber es ist dasselbe. Oje. Ist da etwas „hängen geblieben“? War ich zu übermütig nach Wegfall der Beschwerden nach Hause getanzt?

Nach Hause radeln, heute also mal vorsichtig langsam, tut nicht sehr weh. Ist morgen bestimmt wieder weg.

Ist es nicht.

Dann also ab zur Drogerie-Filiale meines Vertrauens. Schleichwerbung gibt’s hier nicht, obwohl ich hier sogar schon DHL lobte. Egal, nur so viel: „Schlecker“ ist es nicht. Die Gelenksalbe „Voltaren“ ist apothekenpflichtig, belehrt man mich dort. Nanu? Ich dachte, ich hätte sie schon hin und wieder benutzt, als Outdoor-Kämpfer hat man ja manchmal was an Fuß- oder Kniegelenk. Egal, die hier tut’s sicher auch:

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Zur äußeren Anwendung

Die gewaltige Hitze, die vom „Voltaren“ gleich tief ins Gelenk hineinstrahlt, spüre ich hier nicht, dafür einen gewaltig scharfen Eukalyptus-Duft. Erinnert an Hustensaft. Hände gut abspülen, steht im Beipackzettel. Mache ich, nichts mehr zu riechen.

Trotzdem staunen die Bürokollegen: „Hui, jemand ist gut einbalsamiert!“
Häh? Ich schnuppere unauffällig an meinen Fingern, nix. Trotzdem habe ich den Kollegen was zu erklären, genauso wie abends in der Bier- und Schreibstube. Zumindest unangenehm ist der Duft keinem, womöglich ist das Eukalyptusöl auch nur dazu gedacht, ohne jede Wirkung. Gereinigtes Terpentinöl soll auch drin sein, unklar, wie das auf Gelenke wirken soll.
Angeblich fördert die Salbe den Blutkreislauf ums Gelenk herum, sodass die körpereigenen Selbstheilungskräfte schnell anspringen. Na hoffentlich.

Ich ergänze die äußerliche Gelenk-Therapie um innere „Schmierung“ mit Weizenbier (half beim ersten „Vorfall“ ganz gut), starre auf den Bildschirm, ja, jetzt in diesem Moment, denke an die Millionen Follower, die ich hiermit enttäusche, und hadere mit der Welt …

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Zur inneren Anwendung

Das Schlimme ist, dass mein ganzes Leben auf Action und Dynamik ausgerichtet ist. Das Hämmern in die Tastatur (auch beruflich), die Bezwingung von Watzmann und Hochwanner, das Wettrennen mit Steinböcken in den Julischen Alpen, die Durchquerung des Fürstentums Liechtenstein in wenigen Minuten, die Wege zum Kopierer oder zum Supermarkt …

Ist das jetzt alles vorbei? Bin ich ein Wrack? Was wird mit mir? Den vielen Ideen? Den nach neuen Abenteuern dürstenden Lesern dieses Blogs? Soll ich ihn vielleicht in „TarzanBettlägerig“ umbenennen?

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Das ist das Knie. Ich gehe davon aus, dass dieses grauenvolle Foto jeden mitleiden lässt.

Bevor ich nach Hause humpele (oder eines der neuen Lastenfahrräder lädt mich vorne in den Korb, Trinkgeld gewiss), etwas in eigener Sache.

Als emsiger „Booking.com“-Kunde, das bleibt nicht aus, wenn man so viel unterwegs ist, gaben sie mir einen Internet-Link, den ich weitergeben könnte. Hab ich gemacht, auf Facebook oder Twitter oder WhatsApp, weiß nicht mehr. Auf meinem neuen Handy habe ich diese Apps unter dem Ordner „SocialMediaDreck“ zusammengefasst. Frech, ich weiß.
Tatsächlich aber gab es nun Geld, jemand hat über diesen Link ein Hotel gebucht, ich kriege eine Gutschrift auf meine Kreditkarte (tatsächlich erfolgt!), und dieser nette Unbekannte kriegt auch noch was zurück.

Ich finde das ein nettes Geschäftsmodell, auch wenn ich als Invalide das Geld ja nun nicht mehr für Reisen verwenden kann. Ich hätte es gespendet, z.B. für Rheumaforschung oder den Kampf gegen Kinderlähmung. Ich wandte mich an Booking.com, ob sie diesen Link nicht in meinen genialen Reise-Blog einbinden könnten. Der nennt sich „TarzanUnterwegs“, und ihr lest ihn gerade.

Ich selbst als Geizhals habe nicht die „Business“-Version von WordPress, daher kann ich den Link nicht selbst auf die Seite tun. Booking.com lehnte nach rascher Prüfung aber auch ab, irgendwas mit „Relevanz“ und „Besuchern“.

An Besuchermangel kann sich die Super-Seite „TarzanUnterwegs“ jedoch seit Kurzem nicht mehr beklagen. Ganz klar sollte ich hier all jene Besucher loben, vor allem die, denen manche Beiträge trotz oder wegen Gehässigkeit gefallen.

Verdächtig aber finde ich eine „Besucher-Explosion“ im Mai, ebenso wie eine gerade gestern. Eine große Zahl weist „Facebook“ als „Referrer“ aus, fast alle dieser „Facebook“-Weiterleitungen führen zu einem bestimmten Beitrag vom letzten Jahr.

Etwas rätselhaft. Auf Facebook wird man „Tarzan“ nicht finden, bin ja nicht blöd, würde ja aufgrund meiner Bosheit gesperrt. Wo also kommen diese Facebook-Besucher her? Und alle landen auf dem Beitrag „Abschied von Bayern“, der nicht mal besonders gut ist, da gibt es ja ganz andere Meisterstücke hier.

Auf solch seltsame Forschungen kommt man als krank Unbeweglicher, man verliert sich in der digitalen Welt. Schrecklich. Ist aber allerorts auch bei fit Laufenden zu beobachten. Selbst mitten auf der Kreuzung bei Rot lassen sie nicht den Blick vom Handy. Könnte mir nicht passieren. Inzwischen gibt es dafür sogar zwei Gründe. Also neben dem ganz klar geistigen auch einen körperlichen.

Vielleicht hat die göttliche Vorsehung das alles extra arrangiert. Dass ich vor geraumer Zeit ins Erdgeschoss gezogen bin. Und dass der neue Wagen Automatik hat. Denn es ist das linke, das „Kupplungs“-Knie. Weil sie plante, mich zum Wrack zu machen. Oder ist doch alles Zufall?

Lassen wir das Jammern. Die letzten Wanderungen zum Klo gingen schon ganz gut. Heute Abend noch mal Salbe drauf. Es wird gemächlich besser. Vielleicht liest man sich doch noch mal.

Hoch oben auf einem Berg. Ja, das wäre nett.

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3 Gedanken zu “Tarzan, unbeweglich und un-unterwegs

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