Störche statt Rosinen

Die stolzeste, schönste und wunderbarste Hauptstadt Europas hat ungefähr vier Flughäfen.

Tegel: platzt aus allen Nähten, ewig Chaos.

Schönefeld: leicht bröckeliger DDR-Charme, es geht so irgendwie.

BER: kein Kommentar.

Tempelhof: ist stillgelegt.

Genau um Tempelhof geht es.
Der Gröfaz (was natürlich nichts anderes heißt als „größter Flughafenschließer aller Zeiten“) Klaus Wowereit, damals Regiermeister von Berlin, ließ ihn stilllegen, weil Berlin vor lauter Flughäfen nicht mehr wusste, wohin mit sich selbst.

Statt die riesige Fläche mit Hochhäusern à la Alexanderplatz zu bepflastern, ermöglichte ein Volksentscheid, sie als Grün- und Freizeitfläche zu erhalten. Heute ist der Flughafen Tempelhof also ein Skater- und Rollschuhparadies, man picknickt, lässt Drachen steigen, freut sich an der 300 Hektar großen Mikroklima-Fläche, über die der Wind bläst und das angrenzende Neukölln nicht überhitzen lässt, und lässt im Frühjahr die seltenen Feldlerchen zwischen den einstigen Startbahnen brüten.

Die Alteingesessenen in den Vierteln um das alte Flugfeld sind vielleicht froh über die Stilllegung. Etwas Lärm war wohl immer damit verbunden.
Aber die ganz, ganz Alteingesessenen erinnern sich vielleicht noch an den Lärm der Jahre 1948/1949, als nahezu im Minutentakt die Dakotas der, ja, wie sagt man denn nun?, „Siegermächte“? landeten und gleich darauf wieder starteten, um das von den „Sowjetmächten“ eingekesselte West-Berlin zu versorgen.

Die Luftbrücke.

Ein Signal an die Völker der Welt, dass sich die Freiheit und die Demokratie nie unterkriegen lässt. Bemerkenswert insbesondere, dass diese gigantische Hilfsaktion eben jenem Deutschland galt, dessen „Gröfaz“ (ja, nun wirklich DER) diese, sagen wir angespannte Situation, letztlich erst zehn Jahre zuvor verursacht hatte.

70 Jahre ist das nun her. Der Dank an unsere Verbündeten von damals (von denen sogar der Pilot Gail Halvorsen, 92, noch lebt) sollte mit einem großen Fest auf dem einstigen Flughafen gelebt und gefeiert werden.

Dakota-Maschinen sollten wie damals in Tempelhof landen, womöglich sogar vorher Süßigkeiten (vielleicht Rosinen?) an Fallschirmen abwerfen. Piloten reisten an, vermutlich über Tegel, beschauten die alten Landebahnen, befanden sie für okay.

Ein ganz großes Erinnerungs-, Dankes- und Jubelfest sollte es werden.

Doch Erinnerung ist immer relativ.

Und die Erinnerung des heutigen Bürgermeisters Michael Müller, verkniffen, schmallippig, nutzlos un-agierend, eingekesselt (oh, welch Wort) zwischen Linken und Grünen im Senat, scheint eine andere zu sein.

Seine sogenannte Verkehrssenatorin Günther (Aufgabengebiet: alles verhindern, was sich mit Motorkraft bewegt) verbot das Fest. Ihre aberwitzige Begründung: Der einstige Volksentscheid sehe vor, dass das Flughafengelände als Freizeitfläche allen zur Verfügung stehe. Das ginge natürlich nicht, wenn dort einfach mal eben alte Dakota-Maschinen landen.

Zwischen den Zeilen also: Ihr habt doch selbst schuld, habt es so gewollt.

Auch die Idee einer Überflug-Genehmigung (um dann im nahen Brandenburg zu landen) wurde zwei Tage vor dem großen Tag abgesagt.

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Die Empörung der BILD …
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… hätte auch Tarzan kaum besser hingekriegt

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Wiesbaden (einer der drei West-Stützpunkte der Luftbrücke) gab es ein Volksfest mit 30.000 begeisterten Menschen. Doch der Berliner Links-Grün-Senat scheint nichts von der Vergangenheit zu halten. Wie auch: Schließlich lautet seine Nationalhymne „Auferstanden aus Ruinen und der Zukunft zugewandt …“

Na schön. Dann also keine Dakotas, keine Rosinen, statt dessen auf in die Zukunft. Ich reise nach Malchow.

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Uff. Eine lange Reise per Rad. Und das bei der Hitze. Bin halt bekloppt. Ist bekannt

Dort ist „Storchenfest“!

Wenn schon in Tempelhof nichts fliegen darf (oh, nein, es ist ja von den dummen Bürgern gewollte Grünfläche, nein, kein Flugzeug), beschaue ich die Flieger in Malchow.

Storchenfest.

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Ich mag diese Tiere. Sie sind ja auch ganz anders gefärbt als die alten Dakota-Maschinen, die ich vom Flughafen Gatow kenne (ach ja, Berlins fünfter, was bin ich zerstreut).

Schwarz. Weiß. Und Rot.

Ja. Natürlich. Schwarz-Weiß-Rot. Klar, dass sich hier wieder wer empören wird wegen Nazi, Rassismus etc. Aber da muss ich ja durch. Kenne ich ja zur Genüge, in die rechte Ecke gestellt zu werden. Merkel-Kritik reicht da schon.

Also für die Erbsenzähler: Es geht um Storchengefieder und Schnabel, okay, ja? Keine Flagge ist gemeint, keine rechte Ideologie, ich rede von Störchen, ja? Okay. Danke.

Warum erwähne ich das so vehement? Albern, oder? Ich will doch die Zeilen füllen, und ganz abstrus ist es ja auch nicht.

Wir fahren Ford. Unfug, wir fahren fort. Alles andere wäre umweltschädlich. Tatsächlich fahre ich Rad. Bis nach Malchow. Zum Storchenhof.

Malchow kenne ich eigentlich nur vom Auto aus, also vom Durchfahren, bzw. Dort-im-Stau-Stehen. Es liegt auf dem Weg des Weltmanns Tarzan in Richtung Landkreis Barnim oder auch Stettin.
Nun kann ich den Stau vom Fahrrad aus bewundern, sogar locker dran vorbeitreten.. Wodurch er regelmäßig und immer wieder entsteht, bleibt allerdings auch aus dieser Perspektive rätselhaft.

Aber was wäre Berlin, wenn man es erklären könnte? So langweilig, dass selbst dieser Blog einschlafen würde.

Rein in den Hof.

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Es wird mächtig was geboten. Aber die Ladys sind keine Störchinnen. Zu viel Gelb

 

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Der Schein trügt: Störche, nicht mal einen einzigen, gibt es hier nicht zu gewinnen

 

 

 

 

 

 

 

Es dauert etwas, bis ich die echten Tiere sehe. Klug, wie sie sind, haben sie sich auf einem Horst weit hinten versteckt. Und wahrscheinlich schauen sie höchst verwundert auf „ihren“ Bauernhof und überlegen, was diese Leute dort wollen.

Ich strande zunächst am Eingang. Die Radfahrt war nicht ohne, und da es 12 Uhr durch ist, darf ich ein Bier. Groß. Kalt. Überteuert zwar, aber ich kann jede Menge Bildung in den einzelnen Hofhäusern erfahren. Zum Beispiel, dass die Malchower Störche echte „Ossis“ sind, also nicht etwa aus Charlottenburg oder Dahlem stammen.

Darauf wäre ich nie gekommen.

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Ach, da seid ihr! Echte Ost-Störche rätseln über das bunte Fest auf ihrem Hof

Schon gerade, weil die Störche, so man sie findet, mir gegenüber so gar nicht gesprächig sind. Anders ein Ehepaar, das sich mit Bier und Erdbeerkuchen zu mir setzt. Sie kommen von weit her, ein Wochenend-Trip, und gerade, als ich aufgrund ihres Dialekts die Stadt raten will (ich kenne einige Ortschaften in Sachsen), dor gömmse dormit vör:

„Mir gömmn ousser Magdebörscher Geschnd.“

Oh. „Nur“ Sachsen-Anhalt. Bald werde ich auch da kurz durch. „Irschendwö“ hinter Magdeburg erwartet mich ja der Harz. Eine Brocken-Besteigung ist angesagt. Die zweite in meinem Leben. Diesmal von Westen aus. Ich kündigte das schon an, um die begeisternd zitternden Leser „am Ball“ zu halten.

Eine perfide journalistische „Cliffhanger„-Strategie, erinnert an RTL2. Na, ihr werdet schon sehen. Oder lesen.

Falls ich in „Magdebörsch“ tanken sollte, bzw. tanken sollen müssen, also gehabt tanken worden gemusst haben sein, wo ist das Deutsch?, habe ich einen Scherz für den Tankwart parat:

„Bilden Sie einen Satz mit Heidekraut!“

„Heide graut’s mr widdor vor de Orbeit.“

Hey, das war nicht rassistisch. Schönes Wochenende!

 

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Ein Gedanke zu “Störche statt Rosinen

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