Abschied von Bayern und schon wieda Entsetzen

Ade, Zugspitze, ade, „Cafe Nuss“, ade „Jägerhof“.

Es war ein reichliches Bayern, mit Haxen, Bier, grandiosen Aussichten, vielen Höhenmetern und ein paar Blessuren.

Durch das sonntägliche München (es ist fast so chaotisch wie am Montag) geht es nach Norden, in die weltberühmte Harz-Metropole Wieda.

Begeisterte Mitleser kennen das ja schon aus dem großen Epos „Von Dorfsterben und Grubenlicht„.

Es wird nur ein kurzer Zwischenstopp, aber natürlich ist eine Übernachtung eingeplant. Man will ja mit den Freunden ein oder zwei „Harzer Grubenlicht“ leeren.

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Herbstlich bunt, aber sehr ausgestorben

Die Leere von Wieda wird deutlich, als ich meine Stammpension anrufe und frage, ob ich statt Montag auch schon Sonntag „aufschlagen“ dürfe.
„Selbstverständlich geht das, Ihr Zimmer ist frei.“ Kein Wunder, ich bin der einzige Gast im Haus.

Mit Wieda geht’s bergab.

Also erst mal was essen. Im „Schützenhaus“. Eigentlich Betriebsferien, heute aber ist was los. Die Schützen treffen sich, der Gastraum ist bis auf den letzten Platz besetzt von älteren Herrschaften, die sich alle ordentlich was „reinschießen“-

Ich möchte nicht lästern, auch aus der angrenzenden Halle sind vereinzelte Gewehrschüsse zu hören. Die Wirtin bedauert, ich kann ihr nicht böse sein, zumal sie mich von wenigen Besuchen von früher kennt. Was wiederum das Schicksal des kleinen Wieda zeigt. Denn so auffällig war ich nun wieder nicht. Aber eben relativ allein.

Geh ma halt ins Hotel „Post“. Auch hier ist der Wirt sehr allein, lässt meine Herbergseltern grüßen, man kennt sich. Welch Wunder.

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… kein „Hasseröder“ mehr
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Hier fließt schon sehr lange …

Wird es „Harzer Grubenlicht“ geben? Da Sonntag ist, konnte ich nichts vom Kiosk besorgen. Aber die Freunde haben vorgesorgt. Der Grund ist ziemlich prekär: Es gibt den Kiosk gar nicht mehr.

Zu. Dicht. Einfach weg.

Glaubhaften Zeugen zufolge wurde auf die Frage nach dem Warum knapp gesagt: „Irgendwann muss ja mal Schluss sein!“ Ein Nachfolger für den Laden? Nicht in Sicht.

Wieda stirbt.

Eigentlich war es eine DHL-Station, auch Hermes-Pakete landeten dort oder nebenan, ich erinnere mich nicht. Wieda war schon bei meinem letzten Besuch so tot, dass ich meine Energie auf die umliegenden Höhen verwandte, zum Beispiel für strapaziöse Wanderungen nach Zorge oder der Odertalsperre. Was sich in meinem von Bayern geschwächtem Zustand diesmal natürlich verbietet.

Was also ist nun mit DHL?

Schwierig, wie es ja eigentlich immer mit DHL ist. Nun aber wurde Wieda „eingemeindet“, in die sechs Kilometer entfernte Ortschaft Walkenried, die zumindest ein „Himmelreich“ und einen Eisenbahntunnel zu bieten hat.

Die nun neue Postleitzahl wirft natürlich Probleme auf. Wer die DHL kennt, weiß, dass Wieda nun nicht mehr ohne Weiteres zu finden ist. Ein Zahlendreher für Braunlage, Goslar oder auch Düsseldorf (Verzeihung, Seppo!) wäre harmlos, man findet es dennoch. Wobei schon im Fall Goslar Sigmar Gabriel dafür sorgt.

Aber wer findet nun Wieda?

Gut, auch Spandau wurde einst zu Berlin eingemeindet, was es bis heute nicht wahrhaben mag. Aber es gibt U- und S-Bahn, und es sind keine sechs einsamen Kilometer durch den Wald zum nächsten Supermarkt.

Darüber und über andere Dramen gehen so unsere Gespräche beim „Grubenlicht“, und zwischendurch einem „Grassl-Wolpertinger“, den ich aus Bayern mitbrachte. Dafür, dass es den legendären „Wolpertinger“ gar nicht geben soll, schmeckt das Gebräu verdammt gut.

Schlafenszeit. wir verabreden uns für eine Brocken-Besteigung, irgendwann im Frühjahr. Ein 1100er, passend für meine lädierten Knochen.
Wir wollen von Torfhaus aus loslaufen, mein Herbergsvater in der Pension empfiehlt stattdessen den Parkplatz „Oderbrück“, da sei es ruhiger.

Ist okay, danke. Obwohl ich mit der Oder dort nichts anfangen kann, für mich ist sie immer noch östlich von Berlin. Aber nicht meckern. Stimmt schon so. Morgen heimwärts. Berlin.

Und im Frühjahr zurück nach Wieda. Wenn ich dann noch lebe.

Und wenn Wieda dann noch lebt.

3 Gedanken zu “Abschied von Bayern und schon wieda Entsetzen

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