Walchensee: War Goethe eigentlich überall ! ! ? ?

Im Hotel passiert mir erst mal ein Fauxpas. Während meine versifften Turnschuhe auf der halb geöffneten Schräge des Dachfensters lüften und ich unten Bier und so genieße, beginnt es – natürlich, wir sind ja in Deutschland – zu regnen. Leider auch aufs Bett drunter. Und das, obwohl an der Tür steht: „Fenster geschlossen??“
Macht nix, ist ja Doppelbett, ich kann ja die andere Hälfte nehmen.

Der Walchensee präsentiert sich ansonsten freundlich bayerisch wie immer. Dass hier einer der Lieblingsplätze von Ludwig II. war – geschenkt. Aber dass oben an der Kesselbergstraße in einer Kurve ein Riesenkopf von Goethe in den Fels gehauen sein soll, natürlich aus demselben Grund, hier hat Wolfgang auf seinen Italien-Reisen gern haltgemacht – also das wurmt denn etwas.

Wann immer ich im Alpenland bin, Goethe war schon da. Sogar in Lauterbrunnen (Schweiz) war er, obwohl es am Ende diesen Tales wirklich keinen Übergang nach Italien gibt. Vielleicht sollte ich endlich mal seine Reiseberichte lesen, um einen Ort zu finden, wo er nicht war.
Grimmelshofen könnte so ein Ort sein, zumindest sah ich keine Hinweise. Aber Grimmelshofen hat sowieso nix, außer einem Kirschen-Verkäufer und einem Eisenbahntunnel…

Morgens um sieben prasselt der Regen richtig laut auf das schräge Dachfenster. Ich bekomme einen Nervenzusammenbruch und beschließe, sofort nach dem Frühstück nach Südtirol zu fahren. Das Gold der Reichsbank finde ich bei dem Sauwetter ohnehin nicht.
Duschen, immer wieder hektisches Gucken zum Jochberg gegenüber – na ja, es wird immer besser, die Wolken steigen auf, Stück für Stück wird’s heller. Okay, Gnadenfrist.

Gegen neun also doch los zum Südufer des Sees.
Auf der Mautstraße Richtung Jachenau höllischer Verkehr. Fahrzeuge aus dem Landkreis würde ich ja kaum beachten, aber was da alles entlangsaust: Hamburg, Köln, Kreis Barnim, sogar (schluck) zwei Wagen aus Glauchau. Muss eine super Location sein, die Jachenau. Auf der „einsamen“ schmalen Mautstraße geht es zu wie auf dem Kurfürstendamm. Ein Modell fürs chronisch klamme Berlin? Ach, bin ich zerstreut. Wir haben es ja längst, Parkzone Prenzlauer Berg.

Mit der topografischen Karte der Tourist-Info bin ich nicht glücklich. Hier fehlen ganze Stücke großer gut begehbarer Forstwege.
Bestimmt Absicht. Denn hier liegt das Gold der Wehrmacht, man will Schatzsucher wie mich bestimmt damit verwirren.

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Dort oben, über dem Kraftwerk, liegt der Schatz …

Aber nicht mit mir. So leicht lasse ich mich nicht veräppeln. Zügig geht’s bergan, hübsche Tiefblicke auf den See, viele leckere Blaubeeren schmecken schon. Und schon bald ist das Wehrmachts-Gold gefunden!

Die Zutaten sind einfach:

— ein Gebirgskopf, dessen Name nur auf zerfledderten Chroniken und Wehrmachtspapieren zu lesen ist, nicht im Internet (ja, Analog-Lesen ist was Tolles)
— eine Zufahrtsstraße hierhin, die vor 1945 bestand
— eine Lichtung, auf der verdächtig wenig wächst
— ein Baum eben dort mit akkurat eingeritzten Zeichen.

Eine freundlich am Wegrand halb eingegrabene verrostete Granate ist sicher auch ein Zeichen, auf das man achten sollte – wenn, ja, WENN man hier sucht. Aber dieser kleine Berg ist eben NICHT Bestandteil der vielen Internet-Gerüchte.
So einfach ist das. Knapp fünf Stunden. Bin reich. Muss nimmer arbeiten net.

Leider beginnt es mal wieder zu regnen, ohne Metalldetektor tapere ich heimwärts.
Darauf ein Hefeweizen oder zwei.

Zunächst mal bin ich gespannt, was mit dem vom Regen benässten Bett passiert ist. Eigentlich erwarte ich eine Standpauke vor versammeltem Personal:

„Sie Ferkel-Berliner, könnas net aufpassen und net lese? So a Saukram kommt jetzt nie wieder vor, aber überhaupt scho grad glei gar nie und nimmer net, homs mi?“

Auch ein: „Macht nix, machen’s sich koa Gedanken net“ hätte ich noch akzeptiert.
Kommt aber gar nix, null Kommentar. Bett ist frisch zurechtgelegt, und immer noch feucht wie zuvor: Schlaf ich halt wieder links.

Morgen wird dann der Rest des Goldes geortet (in der Klamm Richtung Eschenlohe). Na, na, wer wird denn da übermütig? Erst mal bin ICH noch hier. Gute Nacht.

6 Gedanken zu “Walchensee: War Goethe eigentlich überall ! ! ? ?

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